Archive for Januar 2007

Das Zeitliche segnen

Ich habe einen Freund, der sagt gern und häufig: “Wart mal’ schnell”.

Die Frage, die sich dann immer stellt, ist: Wie in Gottes Namen kann man bloß schnell warten? Denn ist es nicht so, dass warten eigentlich etwas Langsames ist, etwas Zähes, etwas Nicht-Vergehen-Wollendes? Oder vertue ich mich da?

Tautoko zeigt’s sogar bildlich. Nach Schnelligkeit sieht das zumindest nicht auf.

Und um noch eine Frage in den Raum der Blogosphäre zu stellen: Was ist eigentlich warten? In privater kleiner Runde diskutiert und sicherlich nur stümperhaft gedacht, definierten wir Warten als Zeit, die man mit nichts anderem verbringt, als eben… warten. Und als I-Tüpfelchen kamen wir überein, dass eben diese Nicht-Betätigung dann auch noch mit einem schlechten, ungeduldigen Gefühl behaftet sein muss. Ein bisschen Langeweile, ein bisschen Ohnmacht. Sonstens wäre es ja Komtemplation, oder? Und dann würde man das Zeitliche im Warten ja segnen. Auweia, ich hör’ jetzt langsam mal auf - obwohl: Das kann man auch schnell… “schnell aufhören”.

…warte, warte nur ein Weilchen…


Add comment Januar 31, 2007

Zeit für schlechte Neuigkeiten

Ja-ja-ja: Wir alle hecheln ihnen nach, den schlechten Neuigkeiten. Nicht nur die Presseleutchen, nicht nur die Lounge Lizzards, nicht nur die Klatschkolumnisten wollen sie, auch wir Otto-und-Anna-Normalbürger-und-Bürgerin kennen kein Pardon, wenn’s kracht auf der Autobahn und lustig die Blaulichter rotieren auf der Gegenfahrbahn oder dickefette Schneeflocken im tiefsten Westfalen Strommasten gleich reihenweise abrasieren. Dann sind wir zur Stelle, schauen, gucken, starren, wollen’s wissen, denn schließlich sind es die so prima expertenhaft verbrämten “bad news”, die unseren Alltag zum Abenteuer machen. Hier eine Frau an Cannabis gestorben, dort der elektrische Stuhl angeworfen oder die Giftspritze scharf gemacht, da das Fleisch massenhaft verschimmelt und wurmverseucht in die Wurst gepresst. Und weil’s so schön ist, und man sich nicht darauf verlassen kann, dass tagesthemen und heute journal sich auch die richtige Mühe geben, im weltweiten Geschehen das Schlechte zu finden, sollte man sich ein wenig im Netz tummeln.


Add comment Januar 23, 2007

Zeit sich zu ändern

Ist es nicht entspannend: Was wir gestern noch waren, sind wir heute schon längst nicht mehr. Alle vier Woche erneuert sich die Haut - und zwar rundherum und porentief. Die Knochen bauen sich ständig auf und ab, weil kleine Zellen names Osteoblasten und Osteoklasten ihr Wesen treiben. Unsere roten Blutkörperchen machen nach spätestens 120 Tagen schlapp und werden ausgetauscht, Leberzellen halten den ungesunden Lebenswandel gar nur 10 Tage aus und wer meint, dass wenigstens das Hirn so bleibt wie es ist, irrt gewaltig - denn schon während man dies hier liest, haben sich ein paar mehr Nervenendigungen gelöst und anderswo verknüpft. Begegnete ich mir selbst von vor einigen Monaten, so wäre ich ein mir völlig Fremder - zumindest materiellerseits. Einzig der Herzmuskel, der bleibt treu eine lange Lebenszeit und müht sich und ackert und könnte er denken, er würde sich noch an den ersten Liebeshüpfer erinnern und das erste Rasen vor einer Prüfung. Herz-lichsten Dank!


Add comment Januar 13, 2007

Wenn Winterreifen reifen, ist’s aus mit Konsumentenzeiten

Juchei, endlich lacht das Wochenende und mit ihm die Konsumverheißung. Man könnte ins Möbelhaus am Rande der Stadt fahren, wo sich die Exponate doch so verschrobene Namen geben und am Ende aller Besichtigungen noch ein Heißer Hund brav wartet, ohne überhaupt einmal gebellt zu haben. Oder man stürzt sich ins Gemenge der zentralen Einkaufsstraße, die auch fast noch so heißt ganz offiziell auf den Straßenschildern und lässt sich treiben von Schaufenster zu Schaufenster und von Kasse zu Kasse. Hier was ganz schön neu Technisches, da die geilen Schuhe und - schau her - was ziemlich unkeusch Luxuriöses für das Bad und wenn man doch nur könnte, wie man wollte, ließen sich auch noch Preziosen einsacken und ein bisschen was für den Gaumen. Zu Hause dann noch ins Internet getaucht, ein Buch vom Antiquariat, welches schon immer zu mir in die Regale umziehen wollte (das Buch, nicht das Antiquariat - obwohl letzteres auch herzlichst eingeladen wäre, sich in meiner Wohnung auszubreiten), angeklickt und bestellt, dazu noch nach einer primaprima Bratspfanne gesucht, dazu mal kurz geguckt, ob es nicht bei den Discountern dieser Welt mal wieder etwas Wünschenswertes gäbe, dazu im ungewollten Katalog eines Versandhauses geblättert, wie nebenbei, mit Kopfnicken seitenweise und Kopfschütteln über das Meiste, dann auf die Uhr geschaut und den Blick aus dem Fenster schweifen lassen: Mein Gott! Die Winterreifen - die müssen doch noch ihren Platz tauschen und dahin ist’s mit Kaufrauschlaunenherrrlichkeiten, man steht und steht im eklen Industrieviertel, wartet den schönen langen Samstag hindurch auf Automechanikerhände, auf dass sie sich erbarmen würden, die Felgen zu befreien von ihrer Sommerhaut und sie zu bespannen mit Wintergripp. Die Hände jedoch, auf die man wartet, die lassen sich Zeit, der Tag verrinnt, die Dämmerung dreut schon fast am Horizont und Preziosen und Badewannenschweinereien und antike Bücher müssen sich gedulden auf unbestimmt und ich denke, welch ein schöner Beitrag zum Konjunkturkonsumprogramm es wäre, wenn die Winterreifen sich von alleine wechseln würden…


Add comment Januar 11, 2007


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