Schreckliche Zeiten

April 5, 2007

Wer sich heute im Heu erschreckt, schreckt vor Heuschrecken schrecklich zurück!

Ansonsten natürlich dürften nur noch die Belegschaften unzähliger Mittelständler zittern, deren Inhaber sich daran machen, ihre Firmen an die sogenannten Investmentgesellschaften oder Private Equity Verwalter zu verkaufen. Deren schönster Trick: Man kauft das Objekt der Begierde kreditfinanziert, und das Unternehmen muss den größten Teil seines eigenen Kaufpreises dann selbst erwirtschaften!  Überspitzt könnte man das auch so formulieren. Ich habe keinen Cent, gehe zur Bank, lasse mir einen Kredit geben, mit dem ich eine Firma kaufe, die möglichst rentabel ist und anschließend bezahlt der auf diese Weise in meinen Besitz geratene Betrieb meine Schulden zurück. Am Ende gehört mir das Unternehmen, für das ich absolut nichts tun musste, und ich verkaufe es mit prächtigem Gewinn an den nächsten Investor, der das Spiel von Neuem beginnt. Auf Dauer hält so etwas die gesündeste Organisation nicht aus. Eine Company, die laufend Schulden in der Höhe ihres eigenen Wertes abzahlen, dazu noch die Zinsen für den Kapitaldienst und natürlich die geforderten Renditen erbringen muss, die verliert schnell erheblich an Substanz. Aber das darf, während man noch im Besitz des Investments ist, auf keinen Fall auffallen, weshalb man drastische Einsparprogramme auflegt. In der Regel bedient man sich dazu einiger willfähriger Externer von sogenannten Unternehmensberatungen, die alles, bloß nicht die Unternehmen beraten, sondern uns und dabei nicht einmal sehr kreativ vorgehen. Denn eigentlich läuft es ein jedes Mal auf Personalreduktion hinaus. Man braucht die Jungs im Nadelstreifen eigentlich nur, damit die sich Gedanken machen, wie man die Entlassungen öffentlichkeitswirksam erklären kann und damit es späterhin einen Buhmann gibt. In der Vergangenheit hat das auch vorzüglich geklappt. Gerade die politischen Kasten haben die Kröten immer und immer geschluckt, haben sich sogar unser Vokabular zu Eigen gemacht, die Argumentation und das Hohelied, dass die Globalisierung eben keinen anderen Ausweg zuließe und dass Arbeitsplatzabbau doch recht eigentlich Arbeitsplatzsicherung hieße…

Alles Kokolores. Die Wahrheit ist, dass die Werke, die wegen angeblicher schlechter Verkehrsanbindung oder nicht mehr zeitgemäßer Produktionsstandards geschlossen wurden, hochprofitabel waren. Sonst hätten die “Investoren” die Firmen ja gar nicht erstanden. Aber die Logik aus Fremdfinanzierung und Renditedruck macht solche Schnitte irgendwann notwendig, und wenn nach der dritten oder vierten Kaufs-und-Verkaufsrunde die ehemals so schöne Vorzeigefirma der Region ausgelutscht ist, die Belegschaft sich halbiert oder geviertelt hat, die Zulieferer zu Grunde gegangen sind, der früher so glänzende Markenname stark gelitten hat und das Vertrauen der Kunden in Service, Zuverlässigkeit und Qualität gegen Null geht, dann sind die Heuschrecken schon längst über alle Berge.

Und das Schönste: Die schrecklichen Heufresser treten immer in Massen auf! Und umso besser es ihnen geht, umso besser vermehren sie sich auch.

Schreckliche Zeiten…

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