Eine Frage, Herr Ronald Pofalla!
Januar 12, 2008
Lieber Herr Pofalla,
lesen tut ja immer gut, deshalb schmökert sich die Ephemeridenzeit regelmäßig auch durch die Elaborate unserer Altvorderen. Und was findet man beispielsweise beim ollen Johannes Scherr (1817-1886) in seiner “Geschichte der Deutschen Frauen”?
“Es ist traurig zu sagen, aber es muß um der Wahrheit willen gesagt werden, daß sich unser Vaterland vor allen übrigen Ländern darin ausgezeichnet hat, den grausamen Wahnsinn des Hexenprozesses recht methodisch, recht umfassend, recht beharrlich zu betreiben.” (1865)
Bei solchen Worten klingelt es doch ganz arg im Oberstübchen, nicht wahr?. Denn offensichtlich wußte schon der gute Scherr: Was die Deutschen anfangen, das bringen sie gründlich zu Ende. Auch ihren Irrsinn, ihre Dummheit, ihre Verblendung – und das vor allem dann, wenn es um Hexenglauben geht. Nur dass heute die giftig-glutäugigen Zaubergesellen “die Ausländer” sind. Und dass man nur ganz wenige von ihnen wie in Mölln und Lichtenhagen verbrennt…
Aber sonst? Sonst passt doch alles ganz gut, oder sehr verehrter Herr Pofalla? Fragt sich nur, ob man späterhin wieder mit allem nichts zu tun haben wollte, ob man für nichts verantwortlich war?
Das gibt Ihnen hochachtungsvoll
die Ephemeridenzeit zu denken.
Entry Filed under: Nachgedacht. Schlagworte: Pofalla, Hexenjagd, Wahlkampf, Demogogie.
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