Archive for 15. Januar 2008

Ach Herr Mehdorn

Jetzt lassen Sie die Katze also aus dem Sack: Preiserhöhungen, Entlassungen von Mitarbeitern und Verlagerung von Arbeitsplätzen.

Auf letzteres freut sich die Ephemeridenzeit schon ganz besonders. Endlich hält der Zug nicht mehr an jeder Gießkanne, sondern rauscht gleich durch bis zum Hauptbahnhof „Mongolei Mitte“. Da sind die Leute prima günstig und kosten nur 10 Cent die Stunde. Und der teure Unterhalt der Gleise lässt sie ab jetzt von kriminellen Jugendlichen oder unseren hessischen Gefängniskindern aus Bootcamps bestreiten; die können sich abreagieren und auf Qualität und Sicherheit im Schienennetz kommt es ja ohnehin nicht so an, gelle?

Hauptsache die eigene Kohle stimmt. Und die Rendite für den (Noch)-Eigentümer.

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Von der Macht der Beschönigung: Waldschlösschenbrücke

Nachdem nun die letzten Bäume – so wie sämtliche Einwände der UNESCO, des B.U.N.D. und anderer „unmaßgeblicher“ Einrichtungen – weggeholzt wurden, steht der so schön niedlich genannten Waldschlösschen-Brücke in Dresden nichts mehr im Wege. Im Rückblick wird man dieses Bauwerk mit der Rücksichtslosigkeit der Machthaber in Verbindung bringen und ihnen entscheidende Basisdemokratie-Defizite bescheinigen.

Aber das in nun egal: Denn die Brücke wird gebaut, egal wieviel Dresden an Attraktivität einbüßt.

Interessant dabei bleibt aber der Aspekt, mit wieviel Beschönigungsanstrengungen das Brückenmonstrum schick und harmlos geredet wurde. Allein der Name! Waldschlösschen klingt nach Romantik und Nostalgie – in Wirklichkeit ist die Brücke samt zuführender Straße das genaue Gegenteil. Und das ewig gleiche Argument der Sachzwänge! Verkehrsfluß beispielsweise – doch wer sagt uns eigentlich, dass im Angesicht der explodierenden Spritpreise das Individualverkehrsaufkommen so bleibt? Und außerdem sähe man die schöne Brücke von der Stadtseite doch eigentlich gar nicht! Das behaupten die Hochhausbauer in München auch, die ihre 100 Meter-Hässlichkeiten rund um eine Stadt plastern wollen, die von ihrer einzigartigen Sicht auf die Berge und den einzigartigen Charakter ihres Stadtbildes (eben ohne Hochhäuser) lebt.

Wie sagte man in Bayreuth so hübsch? „Die Stadtplaner der 50er und 60er Jahre haben in Bayreuth mehr kaputt gemacht als die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg.“

Herzlichen Glückwunsch liebe Dresdner Stadtplaner. Vielleicht bekommt ihr so etwas ja auch einmal zu hören.

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