Die CSU sorgt sich

März 4, 2008

Das bayerische Kommunalwahl-Debakel der CSU bringt nun rauchende Stilblüten hervor! Der flächendeckende Nikotinentzug, hervorgerufen durch das strenge Raucherverbot in Bayern, hätte zu griesgrämigem Cold-Turkey-Verhalten der Liberalitas Bavariae-Bannerträger an der Wahlurne geführt. In der Folge sei es zu kollektivem Fehlverhalten und falscher Stimmenabgabe gekommen. So zumindest spekuliert jetzt die CSU-Partei-Chefetage, allen voran Monsignore Erwin Huber. Statt aber ehrbar männlich Neuwahlen zu fordern, sorgt er sich nur um die seelische Gesundheit seines tabaklechzenden Wahlvolkes und will am Rauchverbot rütteln.

Die Ephemeridenzeit reibt sich in solch’ rauchgeschwängerten Nachwahlkampf-Luft die Augen, erinnert sie sich doch noch gut, wie stolzgeschwellt CSU-Fraktionschef Georg Schmid weiland kreuzrittergleich gegen bajuwarische Lungenmetastasen und klappernde Raucherbeine stritt. Jetzt ist aber von dem verbotsschmauchenden CSU-Knappen nichts mehr zu sehen und Gesundheitsfragen, die die nichtrauchende Mehrheit betreffen, verglimmen wie CSU-Mandate in den Stadtparlamenten.

Dass die Christlich-Sozialen jedoch in den Augen des nichtlederhosen-tragenden Wahlvolkes Wichtigeres falsch gemacht haben könnten in den letzten vier Jahren, darauf scheint man nicht zu kommen. Das setzte auch zu viel Selbstkritik voraus. Wer braucht schon ein Milliardenprestige-Objekt wie die Transrapidbahn? Wer ein völlig verwirrendes und überforderndes Schulsystem, bei dem nicht einmal das Büchergeld funktioniert? Wer eine Partei, die ihr demokratisches Selbstverständnis darin sucht und findet, eine missliebige Ex-Landrätin öffentlich großmeierisch abzukanzeln im selbstsichersten Mir-Sain-Mir-Gefühl?

Jedenfalls wäre ein schön kompliziert gelockertes Rauchverbot mit zwei Dutzend Ausnahmeregelungen doch eine wunderbare Weiterführung der bisherigen Huber-Beckstein-Kopflos-Politik. Sagt paffend die Ephemeridenzeit!

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  • 1. iljuschin  |  März 5, 2008 at 5:29 Uhr nachmittags

    Ich habe mich jedenfalls genüsslich rauchend zurückgelehnt und alle Äußerungen ebenso entzückt gelesen. Diese Kommunalwahl war für mich ein wilkommener Anlass meinen Protest durch Nichtteilnahme gegen dieses Unsinnsgesetz zu zeigen, insbesondere weil hier ja komplett alle Parteien mitgemacht haben. Den Feierabend und das Wochenede zu versauen kann halt mal auch teuer sein. Und: Das ganze Rauchverbotsding ist übrigens in ganz Deutschland ein schönes Instrument für die Politk gewesen von der Unfähigkeit bei allen wichtigen Dingen abzulenken.

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