Archive for 18. März 2008
Bankenkrise: Sozialismus für Reiche, Teil II
Nun also fordert im Angesicht der Finanzmarktkrise ausgerechnet Josef Ackermann, Deutsche Bank- und Peanuts-Chef, die Regierungen und Zentralbanken zu „mutigen Schritten“ auf. Regierungen müssten weltweit an einem Strang ziehen, um einen Teufelskreis zu verhindern, so der Victory-Mann gestern abend in Frankfurt a.M. Um in den Märkten wieder Vertrauen zu schaffen, bedürfe es konzertierten Handelns von Regierungen und Zentralbanken. Es müsse alles getan werden, um die Abwärtsspirale zu stoppen.
Bei solchen Worten reibt sich die Ephemeridenzeit aber die Augen und fragt verwundert: Nanu? War es nicht ausgerechnet Herr Ackermann, der noch im Mai 2007 in einem ZEIT-Interview sagte: „Der Kapitalismus ist – wenn auch ein hartes System – die Basis für unseren wirtschaftlichen und sozialen Erfolg.“ Und nun ruft er nach staatlicher Hilfe und Einflussnahme? Nun also, da es so aussieht, dass sich einige Wirtschafts-“Eliten“ verzockt haben im großen Spiel der Gier, nun also sollen die Steuerzahler ran und für Fehler anderer haften, für die sie nicht verantwortlich sind – und zuvor auch nicht partizipieren durften am Riesenreichtumroulette.
Denn nur zur Erinnerung, was die Financial Times Deutschland am 2.9.2007 vermeldete: „Auch die großen Investmentbanken in der Londoner City weisen noch nie da gewesene Gewinne aus und zahlen Gratifikationen von umgerechnet 10,8 Mrd. Euro aus. Im Schnitt fallen dabei für jeden Mitarbeiter in der Londoner City 23.000 £ (33 460 Euro) Jahresbonus ab, schätzt das Centre for Economics and Business Research. Im Vergleich zum Vorjahr macht das ein sattes Plus von 16 Prozent. Mehr als 3000 Banker können mit einer Prämie von über 1 Mio. £ rechnen.„
Halten wir fest: Genau die Damen und Herren, welche sich 2007 allein in London zusätzlich zu ihren fürstlichen Gehältern Gratifikationen von 10,8 Mrd Euro genehmigten, und die gleichzeitig das gesamte Finanzsystem mit ihren Unverantwortlichkeiten und Spekulationswahnsinn an den Rand des Ruins getrieben haben – genau diejenigen wollen nun also „staatliche Hilfe“. Das ist tatsächlich Sozialismus für Reiche: Gewinne einstreichen, Verluste sozialisieren.
Die Ephemeridenzeit schlägt vor: Staatliche Hilfe gibt es erst, wenn Hedgefonds-Betreiber und Investmentbanker ihre Gratifikationen zurückgeben als Zeichen ihrer Bereitschaft, konstruktiv am Krisenmanagement mitzuwirken.
1 comment März 18, 2008